Gaspar Brusch

Gaspar Brusch in einem zeitgenössischen Holzschnitt

Gaspar Brusch wurde 1518 in Schlaggenwald bei Eger (Böhmen) geboren und studierte in Wittenberg Theologie. In den 1530er/40er Jahren findet man ihn allenthalben in Mittel- und Süddeutschland als Cantor oder Schullehrer, doch waren die meisten dieser Stellungen nur von kurzer Dauer: Vielmehr stilisierte Brusch sich bewusst als fahrender Humanist und Poet, bereiste weite Teile des Reichs und widmete sich dabei seinen Studien zur Geschichte der zahllosen die Landschaft prägenden Klöster. Seine publizierten und unpublizierten Materialsammlungen, meist Äbte- und Äbtissinnenlisten mit kurzgefassten Eintragungen zur Klosterchronik (Monasteriorum Germaniae praecipuorum … Centuria prima, Ingolstadii: A. und S. Weyssenhorn 1551; Supplementum Bruschianum sive … Centuria secunda, hg. von Daniel Nessel, Vindobonae 1692: gekürzter Abdruck von Bruschs Autograph im cvp 8869) bilden selbst heute noch berücksich-tigenswerte Quellen, gingen doch viele der bearbeiteten Klöster noch im 16. Jhdt. oder in späteren Zeiten unter, und mit ihnen nicht eben selten auch ihre Archive.

Der Protestant Brusch, der gleichwohl dem Klosterwesen wohlwollend (wenn auch gegen Übelstände außerordentlich kritisch) gegenübersteht, erweist sich auch sonst als Mann mit recht unterschiedlichen Eigenheiten. So ediert er, obgleich Erzhumanist und damit theoretisch auf Kosten des Mittelalters antikenbegeistert, das betont kaiserfreundliche Werk De ortu et fine imperii Romani des spätmittelalterlichen Gelehrten Engelbert von Admont (Basileae: J. Oporinus 1553), gerade einmal ein Jahr nach der Rücknahme des Augsburger Interims durch Karl V., die die konfessionelle Spaltung Deutschlands als irreversibel manifest werden ließ. Vor allem aber schuf er in typisch humanistischer Manier eine Unzahl von Gedichten aller Größenordnungen, die, oft rein anlassbezogen und sehr persönlich gehalten, einen guten Einblick in das private Leben dieses umtriebigen Mannes geben.

Unter diesen Gedichten ragen als Gruppe die Hodoiporika (Reisegedichte) hervor, längere Texte, in denen Brusch Abschnitte seiner zahllosen Reisen beschrieb und sich dabei im Gegensatz zu vielen anderen solcher Reisedichter der Renaissance als außerordentlich genauer Beobachter, launiger Erzähler und handwerklich geschickter Dichter erweist – Reisejournalismus in Versen also. Dieser Werkgruppe gilt mein Interesse, insbesondere dem Iter Anasianum (Reise an die Enns) und dem biographisch wie geographisch dazugehörenden Encomion Linczianae civitatis (Lob- und Beschreibungsgedicht auf die Stadt Linz) von 1552, die neben zum Teil erstmaligen Beschreibungen der vorkommenden Örtlichkeiten in ihrer Beschreibungstechnik einen spannenden Zug der Rezeption der Zentralperspektive aufweisen – vgl. die Publikationsliste. Für die Zukunft ist an eine kommentierte Edition des größten dieser Reisegedichte, des Hodoiporikon Pfreymbdense (Reise nach Pfreimd) gedacht.